Neuer Gemeindebrief mit Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger

veröffentlicht am 12. März 2017

Der neue Gemeindebrief UNS KIRCH für die Monate März, April und Mai 2017 ist erschienen und wurde bereits verteilt.

Weitere Exemplare sind im Gemeindebüro erhältlich.

Nachstehend das darin enthaltene Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger:

 

500 Jahre Reformation – und nun?

Ein Jubiläum ist ja eine schöne Sache. Und dieses Mal gibt es sogareinen bundesweiten Feiertag. Die Schlauberger haben auch schonden 30.10.17 als Brückentag für den Urlaub eingeplant und machen ein extralanges Wochenende: vier freie Tage bei nur einem Urlaubstag Einsatz. Aber worum geht es? Was feiern wir? Thesenanschlag in Wittenberg 1517. Das weiß man doch. Luther und so.

Macht der letzte das Licht aus?
1529 nimmt Hamburg die bugenhagensche Kirchenordnung an und ist damit evangelisch. Durch den Augsburgischen Religionsfrieden von 1555 ist das auch reichsrechtlich ein Faktum. Von da an sind die Menschen in Hamburg evangelisch-lutherisch. Und zwar in ihrer Gesamtheit. Heute sind es nach Auskunft des statistischen Landesamtes nur noch 27,9 % (2014). Dass es in den Marschlanden etwas über 40 bis knapp 50% sind (je nach Kirchspiel), ist zwar relativ erfreulich, aber auch hier werden es spürbar weniger Menschen, die am kirchlichen Leben teilnehmen. Und was noch vor wenigen Jahren
selbstverständlich war, entgleitet uns immer mehr.

Christen machen!
Wenn Sie möchten, dass das Jubiläum nicht eine Abschiedsfeier wird und Kirchen nur noch Museen sind, sondern dass es auch künftig noch evangelische Kirche in den Marschlanden gibt, ist es sinnvoll, wenn Sie sich fragen, was Sie tun können. Mögliche Schritte auf dem Weg: Kinder bekommen und  Kinder taufen lassen; selbst in der Kirche bleiben; wieder in die Kirche eintreten, wenn man ausgetreten war; andere Menschen für die Kirche gewinnen; am Gemeindeleben teilnehmen.

Also worum geht es bei dem Jubiläum?
Wir feiern, dass Luther manches auf den Weg gebracht hat. Sein Handeln ist ein entscheidender Schritt der Aufklärung gewesen, der die Christen aus der Unmündigkeit herausgeführt hat. So geht es also jetzt auch um evangelisches Selbstbewusstsein. Die Einheit der Kirche ist dabei immer schon Wirklichkeit – sie ist durch Gott gegeben, aber als Glaubensinhalt und nicht als eine Frage der Organisation. Wir  müssen uns nicht in Rom anbiedern, sondern können stolz sagen: hier stehen Wir! Und wir nehmen die Herausforderung der Reformation an, erwachsen zu sein in einer Welt, in der in letzter Zeit immer stärker die Infantilisierung voran getrieben wird. Im Privaten zieht sich die Kindheit immer mehr – viele wollen keine Verantwortung übernehmen. Im Politischen ist es nicht besser – es wird nach dem starken Mann gerufen, der auf den Tisch haut.

Die Frohe Botschaft der Reformation ist, dass Gott uns zutraut, erwachsen zu sein: einzustehen für das, was wir tun, sagen und denken – und nicht auf einen Priester oder Papst zu setzen, der Gott für uns beschwichtigen müsste. Jeder von uns ist Kind Gottes und deshalb unmittelbar vor ihm. Vertrauen Sie auf Gott und trauen Sie auch sich selbst etwas zu!

Ihr Andreas Meyer-Träger