Neuer Gemeindebrief mit Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger

veröffentlicht am 1. März 2019

Der neue Gemeindebrief UNS KIRCH für die Monate März, April und Mai 2019 ist erschienen und wird verteilt. Weitere Exemplare liegen in der Kirche aus und sind im Gemeindebüro erhältlich. Nachstehend das darin enthaltene Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger:

Wir leben in Westeuropa in einer Welt, in der die äußeren Bedingungen so gut sind, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Wir haben Grund zufrieden zu sein. Gleichzeitig ist seit einigen Jahren eine zunehmende Gereiztheit in vielen Bereichen zu beobachten, Denken Sie an die „Wutbürger“, oder an das Phänomen, dass immer mehr Menschen meinen, sie seien zu kurz gekommen und „die anderen“ müssten jetzt mal zurückstehen- das erleben wir im alltäglichen Umfeld (Autofahren in Hamburg!) und genauso im internationalen Miteinander: es wird ernsthaft behauptet, man könne besser zurechtkommen, wenn man alles alleine macht ohne „die anderen“, die Faulenzer und Schmarotzer.

Wohlstand lässt uns offenkundig nicht zur Ruhe kommen. Viele Menschenziehen sich zurück in das Private. Das Engagement im Ehrenamt nimmt ab. In den sozialen Berufen mangelt es an Nachwuchs. Man sucht das „kleine Glück“. Doch auch Probleme versucht man immer öfter allein zu bewältigen. Aus Angst vor Ablehnung, wenn man bittet? Auch im Landgebiet beobachte ich seit zwei Jahren eine zunehmende Privatisierung der Trauer. „Im engsten Familienkreise“ – das ist wohl manchmal angemessen. Aber ich habe es so oft erlebt (und da ist der entscheidende Grund, warum ich als Städter in das Landgebiet gegangen bin), wie tröstendes für die Angehörigen ist, zu erfahren, dass man in seinem Kummerüber den Tod eines geliebten Menschen nicht allein ist, zu hören, was er auch anderen Menschen bedeutet hat. Ich bitte Sie: bleiben Sie Ihren Traditionen treu!

Wir organisieren unser Gemeinwesen perfekt. Wir diskutieren zivilisiert. Aber etwas Entscheidendes kommt in Europa abhanden: Es fehlt an Spiritualität. Wenn die Welttatsächlich nicht mehr ist als das, was wir sehen, messen und überprüfen können, dann bleibt eine innere Leere. In den Menschen und in den Staaten. Und ich meine, dass diese Leere der Grund für die Unzufriedenheit und für den allgemeinen depressiv-beleidigten Rückzug ist.

Europa lebt aus zwei Quellen: dem christlichen Glauben und der griechischen Philosophie. Es ist die Überzeugung, dass es „mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt“. Die Überzeugung, dass Gott seine Liebe zu den Menschen dadurch offenbart hat, dass Jesus Christus für uns den Tod besiegt hat- dieser Glaube hat uns befreit zu unendlichen Werken der Liebe und zu einer Haltung, die die Menschen so annimmt und manchmal eben auch erträgt, wie sie sind: höchst mangelhaft. Denn Gott tut dies auch.

Andreas Meyer-Träger