Neuer Gemeindebrief mit Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger

veröffentlicht am 20. März 2021

Der neue Gemeindebrief UNS KIRCH für die Monate März, April und Mai 2021 ist erschienen und wurde bereits verteilt. Weitere Exemplare liegen in der Kirche aus und sind im Gemeindebüro erhältlich. Nachstehend das darin enthaltene Grußwort von Pastor Andreas Meyer-Träger

Ostern, na klar! Wirklich?

In einem vordergründigen Sinne gilt dieser Satz: Ostern, na klar! Denn wir werden Ostern feiern. Seit einem Jahr wissen wir nie so recht, wie die Bedingungen sein werden, unter denen wir andere Menschen treffen können. Wir wissen nicht, ob wir Gottesdienste feiern können. Gleichwohl fällt Ostern nicht aus. Erinnern Sie sich noch an das letzte Jahr? In Ochsenwerder war die Kirche zur privaten Andacht geöffnet. Unter Einhaltung aller geltenden Regeln kamen die Menschen über den Tag verteilt in die Kirche, um Ostern zu begehen.

Aber wie sieht es im weiteren Sinne aus? Ist wirklich klar, worum es Ostern geht? Gibt man bei Google einen Begriff ein, wird in der Regel zunächst eine Erklärung angeboten. Für Ostern aber müssen Sie lange suchen, um eine Erklärung des Begriffs zu finden. Viel wichtiger scheint zu sein wann Ostern gefeiert wird und wieviele freie Tage es gibt. Hier nun eine kurze Antwort auf die Frage, was Ostern gefeiert wird: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Während Weihnachten tatsächlich klar ist, was gefeiert wird – auch die Kinder können dies sagen: es geht darum, dass Jesus geboren wird – weiß ich, dass vielen Menschen nicht vor Augen ist, worum es Ostern tatsächlich geht. Ostern ist ein sperriges Fest. Das entspricht nicht unserer Erfahrung. Keiner von uns hat erlebt, dass einer, der tot war, nach drei Tagen auferstanden ist von den Toten.

Ostern ist das höchste Fest der Kirche. Es ist der wahre Grund unseres Glaubens, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern Gott, der seinen Sohn auferweckt von den Toten. Es ist kein Zufall, dass eine Auseinandersetzung mit diesem die Welt erschütternden Wunder kaum noch stattfindet. Ostern wird nurmehr als Anlass genommen, die Büsche im Garten mit bunten Plastikeiern zu schmücken und Schokolade an die Kinder zu verschenken. Der Tod – die Endlichkeit und das Sterbenmüssen eines jeden Menschen – wird in unserer Gesellschaft immer mehr zur Privatangelegenheit. Auch im Landgebiet werden die Beerdigungen immer häufiger „in aller Stille“ gefeiert. Der Tod gehört nicht mehr zur Wirklichkeit unseres Lebens. Ich halte dies für den Ausdruck eines todesflüchtigen Wunschdenkens. So wie kleine Kinder meinen, man könne sie nicht sehen, wenn sie sich die Augen zuhalten, so hofft unsere Gesellschaft, dass der Tod
nicht stattfindet, wenn man nicht über ihn redet. Die Wahrheit ist freilich eine andere.


Die Strahlkraft des christlichen Glaubens besteht für mich darin, dass wir in unseren Herzen davon überzeugt sind, dass Gott auch uns auferwecken wird, so wie er Jesus Christus auferweckt hat. Dies wird nicht einfach so sein, dass wir uns wie zum Schlafen hinlegen und am Morgen aufstehen. Die Auferstehungsberichte zeigen dies ganz deutlich, dass der auferstandene Christus nicht einfach mit dem irdischen Jesus identisch ist. Der Auferstandene muss die Jünger erst mit ihrem Namen ansprechen, damit sie ihn erkennen können. Indem er sie so anspricht aber, findet eine neue Schöpfung
statt. So wie Gott der Vater bei der Schöpfung alle Dinge ins Leben ruft, indem er sie benennt, so macht der Auferstandene uns zu neuen Geschöpfen, indem er uns bei unseren Namen anspricht und uns so in einer glaubenslosen Welt zu Menschen macht, die auch im Angesicht des Todes an dreierlei festhalten: an Glaube, Liebe und Hoffnung – oder anders gesagt: an Vater, Sohn und Heiligem Geist. Frohe Ostern. Na klar!


Andreas Meyer-Träger