Was macht eigentlich Pastor Preuß?

veröffentlicht am 19. März 2006

„Ich genieße meinen Wohlstand“

von Wiebke Schwirten in der Bergedorfer Zeitung vom 28.02.2006


Vor fünf Jahren ging Pastor Hans-Jürgen Preuß, der die Kirchengemeinde Allermöhe-Reitbrook 27 Jahre lang prägte, in den Ruhestand. Was macht er heute?

Hans-Jürgen Preuß fühlt sich einfach wohl. Ehrenämter, Lesen, Reisen, Spiel- und Dokumentarfilme sammeln, Fotografieren, der Garten, Laufen, mit Ehefrau Jutta das Leben in
Glinde genießen und mit den Enkelkindern die Welt ergründen – das ist seine Art von Wohlstand.

Nach der Pensionierung habe er einen Gang zurückgeschaltet, die Langsamkeit für sich entdeckt, sagt Preuß. Auf die Bremse ging es vor allem vergangenes Jahr, als ihn eine Krebs- Erkrankung und eine Augenoperation zeitweilig außer Gefecht setzten. Doch Preuß wäre nicht Preuß, wenn er Schicksalsschläge nicht als Chance erkennen würde. „Ich habe in der Zeit zum Beispiel Hörbücher für mich entdeckt“, sagt er. Und Gedichte. Ein Gedichtband liegt seither auf seinem Nachttisch. „Heute freue ich mich, daß ich mir Zeit nehmen kann und nicht alles mitheißer Nadel stricken muß.“

Vielen Aller möhern ist Preuß als rhetorisch versierter Kämpfer für die Gemeinde in guter Erinnerung. Auch heute noch hat er „in allerlei Kirchenangelegenheiten die Finger im Spiel“. So organisiert er weiterhin Senioren- und Bildungsreisen, engagiert sich als Aufsichtsratsmitglied in der Dachgesellschaft der „Versicherer im Raum der Kirche“ und im Vorstand in der Prediger Witwen- und Waisen-Kasse. Mit Einverständnis der Patoren-Kollegen zelebriert er hin und wieder eine Taufe, Trauung oder Trauerfeier.

Bei der Erforschung von Leben und Werk des Bildschnitzers Hein Baxmann ist Preuß ein gutes Stück weiter gekommen. Seine Recherchen führten ihn durch ganz Norddeutschland. Er entdeckte so manche Lücke in den Gemeindearchiven. Nicht geklärt ist zum Beispiel, was mit dem Baxmann-Altar in Moorfleet geschah, der durch ein Barockwerk ersetzt wurde.

Was wirklich wichtig ist, das sagt Hans-Jürgen Preuß mit diesem Satz: „Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens.“ Und so möchte er leben: bewußter, dankbarer. Jeden Tag.